Tagung : "Das Kapital" - Marx' Konzeption und Engels' Druckfassung

21.- 23. Oktober 2005, Berlin

 

Die Tagung wurde gemeinsam mit dem MEGA-Verein in Berlin organisiert.

Folgende Referate wurden gehalten:

Rolf Hecker: Engels’ Edition von Bd. 2 des „Kapitals“ (neu MEGA II/12)

Rolf Hecker referierte über den Stand der Arbeiten zum – inzwischen veröffentlichten – MEGA Band II/12, in dem Engels’ Edition des Band II des „Kapital“ mit einem veröffentlicht ist. Der Band ist mit einem Variantenverzeichnis, einem Provenienzverzeichnis und mit einem Abweichungsverzeichnis versehen, so dass man jede Veränderung des Marxschen Textes durch Engels verfolgen kann. Rolf Hecker machten an einigen Beispielen deutlich, um welche Veränderungen es dabei geht, wie das Verhältnis von Autor und Herausgeber von Engels verstanden worden ist und was das Problem daran sein könnte.

(Vortrag liegt nicht schriftlich vor)

Carl-Erich Vollgraf: Engels’ Kapitalismus-Bild und seine inhaltlichen Zusätze zum dritten Band des „Kapital“ (mit zahlreichen Ausblicken auch auf den zweiten Band des „Kapital“)

Carl-Erich Vollgraf beschrieb ausführlich Engels’ Studien des zeitgenössischen Kapitalismus, aus dem sich dessen Kapitalismusbild gebildet hat. Für Engels habe der Band 3 des „Kapital“ nicht nur eine wissenschaftliche sondern eine eminent politische Bedeutung gehabt. Deshalb habe er es für nötig gehalten, vor der Veröffentlichung erst einen Begriff von den aktuellen Veränderungen des Kapitalismus zu bekommen. Vollgraf wies eine zu scharfe Engels-Kritik zurück, da man Engels nur „Verfälschung“ der Marxschen Intention vorwerfen könne, wenn man die Marxsche Intention genau kenne. Dies sei aber ein Problem, denn diese kennen man nicht.

Umfang: 33 Seiten (Langfassung)

Michael Krätke: Warum Engels das „Kapital“ nicht verfälscht hat

Michael Krätkes These ist, dass die Kritik an Engels im westlichen Marxismus umgeschlagen sei in Unkenntnis der Engelsschen Texte und Leistungen bei der Herausgabe der Marxschen Schriften. Die Engels habe Marx bzw. dessen Methode nicht missverstanden – im Gegenteil. Selbst die Historisierungen, die man Engels vorwerfe seien alle bei Marx schon angelegt. Dabei ging Krätke von einer einfachen Unterscheidung zwischen einer „historischen“ und einer „logischen“ Interpretation aus. Er favorisiert die erstere, letztere sei eine „heglianisierende“.

(Vortrag liegt nicht schriftlich vor)

Dieter Wolf: Semantik, Struktur und Handlung im "Kapital"

Dieter Wolf geht davon aus, dass die Marxsche Theorie weder nur eine rein ökonomische noch eine zwischen Luhmann und Hegel angesiedelte philosophische Theorie sei, sondern eine Gesellschaftstheorie, die als Darstellung des auf historisch gewordenen Grundlagen sich reproduzierenden Kapitalverhältnisses alle Kriterien einer Systemtheorie erfülle. Er versuchte in seinem Referat das von Reichelt aufgeworfene Problem der „Geltung“ – anders als dieser – als Zusammenhang von Semantik, Struktur und Handlung zu diskutieren.

Umfang: 24 Seiten

Jannis Milios: Gesamtkapitalreproduktion und Keynesische Interpretationen von
Marx

Jannis Milios diskutierte in seinem Vortrag den Versuch keynesianischer Ökonomen, die Marxschen Reproduktionsschemata im 2. Band des „Kapital“ so lesen, dass sie die Marxsche Analyse mit dem Keynesschen Prinzip der effektiven Nachfrage in Einklang bringen können – mit anderen Worten: dass sie Marx in einem Vorläufer von Keynes verwandeln können. Zu diesem Zweck knüpfen die Keynesianer an die Argumente von Tugan-Baranowskij und dessen Kritik an den traditionellen marxistischen Unterkonsumptionstheorien an. Millios versuchte zu zeigen, dass es hinter dem Prozess der Kapitalakkumulation und den Krisen, die ihn regelmäßig begleiten, keine „einfache“ systematisch wirkende Ursache (z.B. Disproportionalität, Mangel an effektiver Nachfrage, usw.) gibt, sondern dass bei Marx alle Faktoren der Kapitalreproduktion im Endeffekt von den Bedingungen des Klassenkampfs abhängen.

Umfang: 9 Seiten

Roberto Fineschi: Die vier Abstraktionsebenen des Marxschen Kapital-Begriffs

Roberto Fineschi referierte auf deutsch über das Verhältnis zwischen Kapital im Allgemeinen und der Konkurrenz in der Kritik der politischen Ökonomie und machte dabei vier Ebenen der Abstraktion aus. Er nahm Bezug auf die Hegelsche Dialektik von Einzelnem, Besonderem und Allgemeinem und zeigte, dass das Verhältnis von einem Kapital zu den vielen Kapitalen selbst ein Moment der Allgemeinheit des Kapitals sein muss.

Umfang: 30 Seiten (in englischer Sprache)