Tagung : Geschichte der Marx-Engels-Edition im Spannungsfeld von Wissenschaft und Ideologie (1924–1968)

28./29. November 2003, Berlin

 

Folgende Referate wurden gehalten:

Die Tagung wurde gemeinsam mit dem MEGA-Verein in Berlin organisiert.

Carl-Erich Vollgraf: Was betrachtete Engels als die "Gesamtlinie der Beweisführung" von Buch 3 des "Kapital"?

Vorstellung einiger inhaltlicher Momente aus dem neuen Band MEGA2 II/14.

Michael Krätke: Über Formen und Formveränderungen des Kapitalismus und dessen "allgemeine Gesetze" bei Marx (1870/80er Jahre)

François Melis ergänzt die Geschichte der Mitarbeiter der MEGA um die Biographie Paul Neumanns und berichtet über den Archivbestand des SPD-Archivs und dessen Geschichte.

Rolf Hecker: Aufstieg und Ende der ersten MEGA – eine Bilanz

Rolf Hecker stellt die Sonderbände und die jeweiligen Reaktionen darauf vor. Zu den Biographien präsentierte er auch Bilder. Inhaltlich wird noch mal auf die Konflikte am MEI eingegangen, die Säuberungen 1931, die Neukonzeption des IML. Hecker stellt kurz den Sonderband 5: „Marx-Engels in der SBZ 1945-49, das Wiederaufgreifen der ME-Edition und der Neubeginn 1952“ vor.

Jakov Rokitjanskij: Verfolgung marxistischer Wissenschaftler unter dem Stalinismus

Rokitjanskij berichtet über die Verfolgung der Wissenschaftler unter dem Stalinismus und macht dabei deutlich, dass es noch viele Probleme bei der richtigen Periodisierung gibt. Insbesondere stellt er Rjasanov vor. Resultat der Entwicklung ist: der russische Nationalismus liquidiert den Marxismus.

Richard Sperl: MEW – MEGA² – ME-ausgewählte Schriften: Chancen und Möglichkeiten unterschiedlicher Editionstypen

Sperl zeichnet ein historisches Bild der verschiedenen Editionen und ihrer jeweiligen Zeitumstände. Er geht dabei ausführlich auf die Editionsprinzipien ein und auf die Frage, warum welche Texte aufgenommen wurden.

Siegfried Prokop: Das Karl-Marx-Jahr 1953: Intellektuelle der DDR im Widerstreit zwischen Ideologie, Politik und Wissenschaft

Prokop berichtet von der Auseinandersetzung um den DDR-Lyssenkoismus sowie von der Kampagne gegen die Intellektuellen 1952. (Für etwas Erheiterung sorgte die Erzählung über das Verbot des Films „Don Camillo und Peppone“, weil dieser „vom Klassenkampf ablenke und das Versöhnlertum propagiere“.) Prokop erwähnte auch, dass nach dem 13. Juni der Sowjetkommissar Sinonov zurückkehrte und wieder die "Leitung" übernahm.

Michael Buckmiller: Die Marx-Interpretation im Briefwechsel zwischen Karl Korsch und Roman Rosdolsky (1950–1954)

Zuerst wurden die beiden Personen biographisch vorgestellt, um dann den etwas gewichteten Briefwechsel des historisch arbeitenden Rosdolsky mit Korsch zu schildern.

Heinz Paragenings: Zur Rezeption der Grundrisse in der Debatte der Politischen Ökonomie in der DDR

Paragenings stellte ausführlich die Geringbewertung der „Grundrisse“ vor, die darin begründet zu liegen schien, dass ja im „Kapital“ alles viel besser dargestellt sei. Im zweiten Teil berichtet er von der internen Auseinandersetzung in der Wirtschaftspolitik (Institut Fritz Behrens), in der mehrere Reformvorstellung in bezug auf die DDR-Wirtschaft formuliert worden waren, die allesamt an den stalinistischen Prärogativen scheiterten.