Tagung : Was heißt "Abstraktion" bei Marx?

28. - 30. März 2003 (SBZ, Oer-Erkenschwick)

 

Folgende Referate wurden gehalten:

Christoph Lieber: „Diejenigen, die die Verselbständigung des Werts als bloße Abstraktion betrachten, vergessen, daß die Bewegung des industriellen Kapitals diese Abstraktion in actu ist."

Christoph Lieber referierte, dass der Wert bei Marx nicht nur in den ersten drei Kapiteln des ersten Bandes des „Kapital“ zu diskutieren sei, sondern als übergreifender Zusammenhang als Nachdenken über Formen des sozialen Lebens zu rekonstruieren wäre. Dabei müsste immer die Frage nach dem Zusammenhang der Subjekte und der Verhältnissen diskutiert werden. Das Herausarbeiten dieses Zusammenhangs in allgemeiner Form sei ein realgeschichtlicher Prozess, in dem die gesellschaftliche Arbeit „wahr“ werde. Schon die klassische politische Ökonomie habe in Ansätzen den allgemeinen Grund der gesellschaftlichen Verhältnisse herausgearbeitet, nämlich die Arbeit. Marx habe die aufgenommen und gezeigt, dass diese nur in entfremdeter Form vorliege.

Umfang: 8 Seiten

Nadja Rakowitz: Abstrakte Arbeit in der Kritik der politischen Ökonomie (Vgl. Rakowitz, Einfache Warenproduktion. Ideal und Ideologie, S. 89 - 106)

Nadja Rakowitz versuchte, den Gang der Darstellung am Anfang des „Kapital“ nachzuzeichnen und dabei zu zeigen, dass die abstrakte Arbeit als ein Schluss aus der Erscheinungsform der Ware zu begreifen ist und insofern nichts allen Produktionsweisen gemeinsames bedeute, sondern eine kapitalistischen Gesellschaften eigentümliche Abstraktion ist. So seien auch die Kategorien Tauschwert und Gebrauchswert zu verstehen. Es müsse noch diskutiert werden, in welchem Verhältnis die abstrakte Arbeit und die gesellschaftlich notwendige Durchschnittsarbeit zueinander stünden. Wenn Marx sie schon auf der Ebene der einfachen Zirkulation „vermitteln“ könnte – wie von manchen Interpreten behauptet –, müsste geklärt werden, was in der Wertformanalyse noch Kritik wäre.

Umfang: 17 Seiten

Dorothee Jung/Dieter Wolf, Unterschiedliche Abstraktionen in der ökonomisch gesellschaftlichen Wirklichkeit und in der diese Wirklichkeit darstellenden "Kritik der politischen Ökonomie"

Dorothee Jung und Dieter Wolf setzen sich mit der Bedeutung der wissenschaftlichen Abstraktion für die Darstellungsweise der ökonomisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit auseinander. Sie versuchen zu zeigen, dass die verschiedenen Abstraktions- und Darstellungsstufen der ersten drei Kapitel des ersten Bandes des „Kapital“ und der die Warenzirkulation auszeichnende Zusammenhang von „Struktur und Handlung“ als ein Beispiel für die Methode des „Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten“ bei Marx zu begreifen ist. Dabei diskutieren sie ausführlich die Bedeutung der Darstellung des Austauschprozesses.

Umfang: 42 Seiten

Frank Engster/Andreas Schröder, Abstraktion und Maß – Zum Dilemma von Gesellschafts- und Erkenntniskritik

Frank Engster und Andreas Schröder stellen die Frage nach der Möglichkeit einer Kritik der Methode der Darstellung als solcher. Es geht ihnen darum, dass die Methode zum einen als gegenstandskonstitutiv reflektiert werden muss und nicht getrennt vom Gegenstand diskutiert werden kann, zugleich als solche aber der „blinde Fleck“ in der Darstellung des Gegenstands bleibt. Dies diskutieren sie an der Wertformanalyse. Sie versuchen zu zeigen, dass all diese Probleme sowie ihr kritischer Gehalt auf das Maß verweisen.