Tagung : Das Verhältnis der Kritischen Theorie zur Kritik der politischen Ökonomie "

20. - 22. September 2002 (SBZ, Oer-Erkenschwick)

 

Folgende Referate wurden gehalten:

Annett Bargholz/Jürgen Behre: Identität und objektiver Widerspruch. Zum Problem immanenter Kritik in Adornos Negativer Dialektik

Gegen Rekonstruktionsversuche der "neueren" Kritischen Theorie hält A.Bargholz an Adornos Anspruch der Einheit von Erkenntnis- und Gesellschaftskritik fest und untersucht, ob es Adorno vor dem Hintergrund seiner Voraussetzungen gelingen kann, seine Intention einer negativen Dialektik einzulösen. Dabei diskutiert sie sowohl Adornos Hegel- als auch dessen Kant-Interpretation an ausgewiesenen Passagen und Problemen und zeigt, dass Adorno es sich hier zu einfach macht und er zum Teil hinter die kritischen Reflexionen von Kant und Hegel zurückfällt. Sich hieraus ergebende Implikationen für Adornos Kritik kapitalistischer Gesellschaft werden abschließend untersucht.

Umfang: 35 Seiten (aktualisierte Fassung)

Hans Joachim Blank: Zur Marx-Rezeption bei Max Horkheimer

Hans-Joachim Blank fragt in seinem Referat nach der Beziehung Horkheimers zur Marxschen Theorie. Zunächst stellten sich dabei zwei Fragen: Was hätte Horkheimer von den Marxschen Schriften kennen können? Und was hat er davon rezipiert? Eine wichtige Quelle hierbei seien die Briefe Horkheimers, da der "öffentliche" Horkheimer - wegen der politischen Situation sowohl noch in Nazi-Deutschland als auch dann in den USA - anders gesprochen und geschrieben habe als der "private". Horkheimers Kritik habe sich gespeist aus Empörung und Hass auf das Bestehende, als die "Konkurrenzgesellschaft". Aus Marxens Feuerbach-Kritik habe Horkheimer den Begriff des dialektischen Materialismus entwickelt, welcher die Veränderung der Gesellschaft intendiert. Im weiteren setzte sich Blank mit der Frage auseinander, wie Horkheimer dieses Verhältnis gedacht hat.

(Vortrag liegt nicht schriftlich vor)

Ralf Kliche: Entzauberung einer Chimäre - Formanalyse und abstraktes Denken bei Alfred Sohn-Rethel

Ralf Kliche diskutiert Sohn-Rethels Versuch, in Abgrenzung zu Marx' "Kritik der politischen Ökonomie" eine Theorie des Intellekts zu entwerfen, die sich auf "die Formanalyse der Ware" gründen soll. Kliche zeigt, dass sowohl Sohn-Rethels Begriff der Waren- bzw. Wertform als auch der der Synthesis durch Tausch unhaltbar ist. Entsprechend wird auch das Sohn-Rethelsche Geschichtsmodell kritisiert, das nicht belegen kann, was Sohn-Rethel verspricht. In einer detaillierten Auseinandersetzung mit der Geschichte der Mathematik wird dies auch am historischen Material gezeigt.

Umfang: 28 Seiten

Kornelia Hafner: Kunst geht auf Wahrheit

Kornelia Hafner will zeigen, dass Adornos Ästhetik mit dem Anspruch "materialistische Theorie" zu sein operiere. Sie fragt, ob es sich hier nur um ein Weiterschleppen des alten Deckbegriffs für den Bezug auf Marx aus der Zeit, bevor "Kritische Theorie" dazu wurde, handelt oder vielmehr um ein spezifisches Philosophem Adornos, das drei Motive abdeckt: einen spezifischen Versuch der Annäherung ästhetischer Theorie an moderne Kunst, eine spezifische Deutung der Rolle der "Produktivkräfte" in der Kunst und eine spezifische Wendung der Vorstellung von einer "Ressurektion der Natur" als Negativität, vermittelt im modernen Kunstwerk.

Umfang: 23 Seiten

Thomas Lutz Schweier: Eichendorffs Fehde - Adornos Sehnsucht

Thomas Lutz Schweier versucht das Verhältnis von ästhetischer Theorie und materialer Kunstkritik - vor allem an Adornos Aufsatz "Zum Gedächtnis Eichendorffs" - zum Gegenstand Romantik näher zu bestimmen. Dabei diskutiert und kritisiert er Adornos zugrundeliegendes Geschichtsverständnis. Adorno erweise sich hier nicht als Theoretiker der Romantik, sondern über weite Strecken als romantischer Theoretiker. Vor diesem Hintergrund führt Schweier Adornos Eichendorff-Interpretation als Fehldeutung vor.

Umfang: 17 Seiten

Jan Weyand: Das paradoxe Verhältnis der frühen Kritischen Theorie zur Moralphilosophie

Jan Weyand setzt sich vor allem mit Horkheimers Materialismus auseinander. Da der Materialismus moralphilosophische Argumentationen zur Begründung allgemeiner Prinzipien , denen Handlungen genügen sollen, ausschließe, habe Kritische Theorie das Problem, begründen zu müssen, warum die Gesellschaft nicht so sein soll, wie sie ist. Dieses gehe aber wiederum nicht ohne Moralphilosophie. Wenn Horkheimer als Beweggrund emanzipatorischen Handelns z.B. von der zweckfreien Liebe spreche, mache diese das paradox deutlich. Diese unterstelle nämlich eine moralphilosophische Prämisse.

Umfang: 6 Seiten