Tagung : Verschiedene Aspekte der Buchs von Nadja Rakowitz "Einfache Warenproduktion - Ideal und Ideologie"

21. - 23.September 2001 (Kleve)

Einfache Warenproduktion - Ideal und Ideologie, Kapitel 1

Folgende Referate wurden gehalten:

Herbert Rünzi: Kritik an Nadja Rakowitz: Einfache Warenproduktion

Herbert Rünzi sieht folgenden Widerspruch in der Argumentation von Rakowitz: Zum einen gehe sie davon aus, "dass Tauschverhältnisse zwischen den Waren Äquivalenzverhältnisse sind", denen etwas gemeinsames zugrunde liegen müsse, nämlich der Wert, zum anderen sei sie aber der Meinung, dass dieser Wert nicht feststellbar sei. Rünzi versucht zu zeigen, dass dies keine konsistente Argumentation und die Marxsche Argumentation eine gänzlich andere sei.

Umfang: 4 Seiten

Michael Heinrich: Keine Kritik an der Intention, aber eine an den Begründungen ...

Michael Heinrich kritisiert, dass Rakowitz zuviel Gewicht auf das "Methodenkapitel" lege, aber selbst die Methode von Marx im "Kapital" nicht belege. Weiterhin kann er die Begründung für die Nicht-Fixierbarkeit des Werts, die er bei Rakowitz in der Produktivkraftentwicklung sieht, nicht nachvollziehen. Bezogen auf den Exkurs zur abstrakten Arbeit kritisiert er die These, dass sich die Marxsche Kritik aus der "Hl. Familie" an der Abstraktion "Frucht" auf die Argumentation zur abstrakten Arbeit übertragen lasse, da das Geld doch existiere. Heinrich weist die Kritik von Rakowitz zurück, er habe einen Bruch zwischen erstem und zweitem Kapitel festgestellt.

(Vortrag liegt nicht schriftlich vor)

Helmut Reichelt: Die Marxsche Kritik ökonomischer Kategorien. Überlegungen zum Problem der Geltung in der dialektischen Darstellungsmethode im "Kapital"

Helmut Reichelt geht von der Kritischen Theorie Adornos aus, die er als Programm einer neuen Marxlektüre liest. Die "Tauschabstraktion" als "Realabstraktion" bilde den zentralen Bestandteil dessen Gesellschaftsbegriffs. Bei Marx sei entscheidend die Frage, wie das "existierende Allgemeine" zu denken sei. Um den verselbständigten Tauschwert in der Zirkulation denken zu können, operiere Marx im "Kapital" mit einem Geltungsbegriff, der völlig neu sei und nichts mit den bisherigen Vorstellungen von Geltung zu tun habe. Mit diesem müsse dann die Arbeitswertlehre entwickelt und begründet werden. Nur mit diesem Begriff von Geltung seien die Kategorien der Kritik der politischen Ökonomie zu denken, die im "Zwischenreich" zwischen Physischem und Psychischem angesiedelt seien.

Umfang: 31 Seiten

Christoph Lieber: Aspekte der Ideologiekritik

Christoph Lieber bezieht sich auf das Kapitel zur "Zirkulation als Totalität" bei Rakowitz und klagt ein, dass hier zwar abstrakt die "moderne Mythologie" von Freiheit, Gleichheit und Privateigentum kritisch herausgearbeitet werde, aber nicht der reale Schein, der permanent reproduziert werde, dargestellt wird. Er verweist auf aktuelle Erscheinungen, wie z.B. das abnehmende Engagement für Bürger- bzw. Grundrechte oder das "Zurückschlagen des Marktes in die Produktion", wie es sich mit dem 5000 x 5000- Modell beim VW-Konzern abzeichne, auf die in der Darstellung von Rakowitz nicht eingegangen werde, obwohl sich dies bei der Darstellung der Ideologie der einfachen Zirkulation doch anböte.

(Vortrag liegt nicht schriftlich vor)

Hans-Georg Backhaus: Das Problem des "Dritten"

Hans-Georg Backhaus geht es auch um das "Problem des Dritten". Gibt es einen abstrakten Wert, das sei die Frage, die beantwortet werden müsse, die sich die bürgerliche Ökonomie heute aber nicht mehr stelle. Diese rede zwar von "abstrakten Werteinheiten", von "abstrakter Verfügungsmacht", die das Geld habe, aber sie könne sich das nicht erklären. Die reflektiertesten unter den bürgerlichen Ökonomen kämen höchstens zur - resignierenden - Feststellung, dass es "keine Brücke von abstrakt nach konkret" gebe. Auch die Einheit des Geldes und seiner Funktionen werde - außer von Menger und natürlich Marx - nicht thematisiert. Die einzige These, die Konsens in der heutigen Volkswirtschaftslehre habe, sei : "Money matters." Diese Probleme seien, wie Helmut Reichelt gezeigt habe, nun anzugehen.

(Ausschnitt aus Aufsatz "Der widersprüchliche und monströse Kern der nationalökonomischen Begriffsbildung", in der Brakemeier-Festschrift "Emanzipation als Versöhnung", Frankfurt 2002)