Tagung : 1. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum "Kapital" 2. Der Einfluß des Stalinismus auf das Ende der ersten MEGA

(22. - 24.09.2000) in Werftpfuhl

 

Folgende Referate wurden gehalten:

Keizo Hayasaka: Oscar Eisengarten: Sein Lebenslauf, sein Wissensprofil, sein Beitrag zur Redaktionsarbeit von Friedrich Engels am 2.Band des Kapital

Keizo Hayasaka von der Universität in Morioka (Japan) ist Mitglied der Sendaier MEGA-Arbeitsgruppe, die sich mit der Redaktion des Bandes 12 der II.Abteilung der MEGA beschäftigt. Er gab einen Zwischenbericht zu den Forschungen über Friedrich Engels' Redaktions-Assistenen Oscar Eisengarten. Er berichtete den Lebenslauf von Eisengarten und von dessen Zusammenarbeit mit Friedrich Engels bei der Redaktion des Marxschen Manuskripts des 2.Band des Kapital. In der Forschungsgruppe stieß man auf die Frage, wie weit Eisengarten bei der redaktionellen Arbeit half. Hayasaka führte die Probleme einer kritischen Edition der Marxschen Texte an einigen Beispielen vor.

Umfang: 10 Seiten + 11 Seiten Anhang

 

Ludmila Vassina: Warum hat Engels das erste Kapitel von Marx' Manuskript II nicht für den 2.Band des Kapital benutzt?

Ludmilla Vasina aus Moskau berichtete von der Arbeit ihrer Arbeitsgruppe zum MEGA Band II/11, in dem Manuskripte zu Band II des Kapital veröffentlicht werden. In diesem Band der MEGA soll hauptsächlich das Manuskript 2 veröffentlicht werden, das in den von Friedrich Engels herausgegebenen Band II des Kapital keinen Eingang gefunden hat. Vasina stellte die innere Gliederung des Manuskript 2 und die Unterschiede zu den anderen Manuskripten dar.
(Vortrag liegt nicht schriftlich vor)
 

Fritz Fiehler: Negative Werttheorie. Transaktionskosten und Zirkulationskosten

Fritz Fiehler aus Schobüll vergleicht die moderne Ökonomie und die Marxsche Theorie bezogen auf das Problem der Transaktions- bzw. Zirkulationskosten. Er bezieht sich hierbei auf den Transaktionskostenansatz von Ronald H.Coase, der für Fiehler im Vergleich zur Raum- und Zeitlosigkeit der Neoklassik etwas qualitativ neues darstellt. Zu fragen wäre nun, ob die Entwicklung der Informationstechnologie nur im neoklassischen Horizont eine Ökonomisierung der Transaktionskosten darstelle, oder ob dies auch eine qualitativ neue Bedeutung für die Marxschen Kategorien darstelle.
(Vortrag liegt nicht schriftlich vor)
 

Hans-Georg Bensch: Zum Begriff der wissenschaftlichen Arbeit

Hans-Georg Bensch aus Hannover diskutierte in seinem Referat das Verhältnis von allgemeiner Arbeit als wissenschaftlich-technischer Arbeit zur kapitalistischen Produktionsweise. Die Entfaltung der allgemeinen Arbeit sei zum einen zwar für das Kapital unverzichtbar und verlaufe auch zeitlich parallel zur Entfaltung des Kapitals, zum anderen aber habe die allgemeine Arbeit auch eine Seite der relativen Unabhängigkeit vom Kapital. Daß wissenschaftliche/allgemeine Arbeit Realisierung von Freiheit - wenn auch in verkehrter Gestalt - sei, ergebe sich schon aus ihrem nur gebrauchswertbildenden Charakter. Die Reflexion auf Wissenschaft selbst sei einmal Domäne der Philosophie gewesen und war insofern auch zur Kritik der bürgerlichen Gesellschaft fähig. Heute habe wissenschaftliche Kritik dagegen kaum noch einen Ort.

Umfang: 8 Seiten

 

Jakov Rokitjanskij: Die Ablösung Rjazanovs durch Adoratskij und die Folgen für die erste MEGA

(Vortrag liegt nicht schriftlich vor )

 

Rolf Hecker: Unter welchen Bedingungen konnten die Grundrisse 1939/41 erscheinen?

(Vortrag liegt nicht schriftlich vor )

 

Manfred Lauermann: Roman Rosdolsky: Grundrisse - eine epochale Interpretation für '68

Manfred Lauermann aus Bielefeld erinnert an die Bedeutung des Werks von Roman Rosdolsky für die westdeutsche Diskussion der Marxschen Theorie. Erst mit der Veröffentlichung von Rosdolskys Texten zu den Grundrissen sei man hier auf diesen Text von Marx aufmerksam geworden. In der Folge habe dann eine breite Auseinandersetzung und Diskussion über die Marxsche Theorie stattgefunden. Durch die Diskussion der Grundrisse sei dann auch das Verhältnis der Marxschen zur Hegelschen Theorie problematisiert worden. Außerdem sei seitdem klar, daß die Frühschriften von Marx vom Kapital her gelesen und interpretiert werden müssen, nicht umgekehrt.

(Vortrag liegt nicht schriftlich vor )

 

Jannis Milios: Zur Entwicklung der Krisentheorie aus dem Kontext der Reproduktionsschemata bei Tugan-Baranovskij und Bucharin

Jannis Milios aus Athen diskutiert die Interpretation der Reproduktionsschemata im Band II des Kapital für die Krisentheorie. Er referiert zum einen die Kritik von Tugan-Baranowskij an der Unterkonsumptionstheorie der russischen (und deutschen) Marxisten. Sie hatte sowohl Einfluß auf die "legalen Marxisten" und auch auf W.I.Lenin, als auch auf die deutschsprachigen Marxisten. Rosa Luxemburg habe daraufhin eine radikale Kritik an der "neuen Orthodoxie" geübt und den Unterkonsumptionsansatz verteidigt. Weiter referiert Milios dann die Kritik an Luxemburg durch Nikolai Bucharin, der die Argumente Bulgakows, Lenins, Hilferdings u.a. weiterentwickelt habe mit dem Ziel zu zeigen, daß das wesentliche Merkmal der Krisen die Überproduktion von Kapital (Überakkumulation) sei.

(Vortrag liegt nicht schriftlich vor )

 

Alessandro Mazzone: Was heißt "Produzieren"? Überlegungen zum Klassenbegriff im Kapital

Alessandro Mazzone unterschied zunächst die Theorie der kapitalistischen Produktionsweise von der Theorie des Kapitalismus.

Der Klassenbegriff bei Marx sei das Resultat des gesamten theoretischen Gebäudes und stehe deshalb am Ende des Kapital, wie es uns heute vorliegt. Auch wenn die Theoretiker des 19.Jahrhunderts von "Klassen" gesprochen hätten, hatten diese wohl eher eine Vorstellung von Klasse, als ein Begriff von derselben. Auch auf der Ebene der ersten drei Kapitel des Kapital werde die Arbeit nur in abstracto dargestellt und die Menschen erscheinen nur als Produzenten mit unterschiedlichem Arbeitsvermögen bzw. als unmittelbares Selbstbewußtsein. Deshalb kann von Klassen hier noch keine Rede sein. Wolle man auf dieser Ebene des "Modell1" schon von Klassen reden, gerate man in die Ideologie der Trinitarischen Formel. Erst auf der nächsten Ebene tauche die Arbeit nicht bloß als zweckgemäße, sondern auch als zwecksetzende Tätigkeit auf. Arbeit werde hier beschrieben als das Verhältnis von Mensch und Natur und Zwecksetzung. Aus der Analyse der Kritik der politischen Ökonomie könne man überhaupt erst eine analytisch operationalisierungsfähige Kategorie Mensch entwickeln. Dieser erscheint in Gesellschaften mit kapitalistischer Produktionsweise als klassenbestimmt.

(Konzept liegt vor: 2 Seiten)